Neuer Kooperationspartner

Einen neuen Kooperationspartner kann SiSo zu Beginn des Jahres präsentieren. Das „Ökumenische Trauercafé“, unter der Leitung von Elisabeth Nürnberger (Krankenschwester mit Weiterbildung, Palliative Care und Hospizarbeit, Trauerbegleiterin) und Bernhard Sparrer (Dipl. Sozialpädagoge (FH), Philosoph, Ökumenischer Trauerbegleiter), das eine Anlaufstelle für trauernde Menschen sein soll, stellt ein offenes Angebot dar, das Menschen in Trauer zum Austausch und einander Zuhören in gegenseitiger Anteilnahme einlädt. In geleiteten Gesprächen werden Impulse angeboten, die zum Nachdenken, zum Gespräch und zur Entwicklung neuer Perspektiven inspirieren sollen. 

Überall blinkt es. Duft von Tannennadeln und Plätzchen all überall. Aus Lautsprechern und Radiogeräten schallt es beinah unaufhörlich: Freu Dich, es weihnachtet. Freu Dich! Doch nicht jeder ist gerade jetzt fröhlich gestimmt. Im Gegenteil, bringen doch Glöckchen, Duft und Kerzenschein Erinnerungen zurück. Erinnerungen an den geliebten, verlorenen Menschen. In der Weihnachtszeit spüren Trauernde oft noch stärker, dass jemand fehlt. „Es ist nicht immer einfach, die Menschen mit ihren verschiedenen Schicksalsschlägen zu trösten und wieder aufzurichten“, weiß Elisabeth Nürnberger. Gemeinsam mit Bernhard Sparrer, Sozialpädagoge und Trauerbegleiter, leitet die Trauerbegleiterin das ökumenische Trauercafé in Bayreuth, das von der Katholischen Erwachsenenbildung in der Stadt und im Landkreis Bayreuth und dem Evangelischen Bildungswerk Bayreuth/Pegnitz getragen wird. „Nichts greift radikaler und schmerzhafter in unser Leben ein als der Tod eines Menschen, der uns nahe steht“. Deshalb möchten die beiden Trauerbegleiter seit nunmehr sieben Jahren den Besuchern des Trauercafés helfen, einen Weg aus ihrer Trauer herauszufinden. Irgendwann. Eigene Wege Nicht jeder Trauernde ist alleine. Aber, so erklärt Elisabeth Nürnberger, jeder Angehörige trauert anders, sucht seinen eigenen Weg. Nicht immer kann man sich innerhalb der Familie austauschen. „Und der Freundeskreis und das Umfeld verändern sich auch“, weiß die Trauerbegleiterin. Die Menschen haben Angst, sind verunsichert, wie sie sich verhalten sollen. Sie haben Angst vor dem Thema Tod und Sterben. DemThemaVerlust. Die Betroffenen werden nicht mehr eingeladen. Kontakte brechen ab. Im Ökumenischen Trauercafé finden Betroffene einen Raum derTrauer, einen Raum, sich austauschen zu können. „Wenn einer redet, schweigen die anderen“. Das sei eine wichtige Absprache ebenso wie die Schweigepflicht außerhalb des Cafés. Sie finden aber auch einen Raum voller Freude. Einen Raum vollerTränen, ebenso wie einen Raum voller Trost. Einen Raum der Geschichten und des Zuhörens. Einen Raum, der Türen öffnet. Einen Raum, in dem jeder sein kann, wie ihm gerade ist. Einfach so. Ohne dass jemand sagt: das wird schon wieder. Zeit heilt alleWunden. Denn das tut sie nicht. Hier sagt keiner, wie lange die Trauerzeit dauern darf, dass man wieder funktionieren muss. Denn: die Lücke bleibt. Schmerz undTrauer auch. Auch wenn sie sich verändern. Egal wie jung oder alt, ob Mann oder Frau. Im ökumenischen Trauercafé ist jeder Trauernde willkommen. Und jede Aussage, jede Frage. Ob man denn wieder fröhlich sein darf, etwa. Im Trauercafé werden Erfahrungen und Gefühle ausgetauscht. Erfahren die Besucher, andere haben die gleichen Unsicherheiten, die gleichen Fragen, die gleichen Gefühle. Verstehen den Schmerz. „Tränen und Lachen, schmerzhafte Erinnerungen und neue Lebenspläne, Zuversicht und Momente der Haltlosigkeit – alles hat hier Ort und Zeit“, betont Elisabeth Nürnberger. Auch und gerade in der Weihnachtszeit, im Winter. „Wichtig ist uns zuzuhören. Den Schmerz auch aushalten“, sagt Elisabeth Nürnberger. Ebenso wie Bernhard Sparrer bringt sie ihre eigene Trauererfahrung mit. Im Bedarfsfall stehen beide auch auf Honorarbasis für Einzelgespräche zur Verfügung. Auch eine offene,respektvolle und liebevolle Atmosphäre sind imTrauercafé wichtig. Einladend beginnt das Treffen am Kaffeetisch mit Kuchen und lockeren Gesprächen. Anschließend – nach einer dreiviertel Stunde / Stunde – setzten sich alle in einen Stuhlkreis, um eine liebevoll dekorierte Mitte. Elisabeth Nürnberger oder ihr Kollege lesen einen Text, den sie vorbereitet haben und es geht in großer Runde weiter. Bevor sich die Gruppe über den Text austauscht, hat jeder Besucher in einem kurzen Blitzlicht Gelegenheit zu sagen, wie es ihm geht. Drückt etwas schwer, hat Aktuelles Vorrang. Ob freiwilliges gemeinsames Tischdecken vor offiziellem Beginn, der Ablauf mit abschließendem Segen oder die mit Blumen, die zum Leben hinführen sollen, gestaltete Mitte: Rituale sind ebenfalls wichtig. Sie geben Sicherheit und Gemeinschaft. Und sie helfen Abschied zu nehmen. Und manchmal entstehen private Kontakte aus dem Trauercafé heraus und manche Besucher treffen sich privat. Machen sich gemeinsam auf, neue Wege zu gehen. Gemeinsam unterwegs sind einmal im Jahr die TrauercaféBesucher auf einem Trauerweg in der Natur Ende Juli. Im November sind alle zu einem Gedenk-Wort-Gottesdienst in die Kapelle der Katholischen Hochschulgemeinde eingeladen. Eine Patent-Formel für einen guten Umgang mit Trauer gibt es nicht. Auch nicht im Trauercafé. Aber hier ist zumindest ein Raum, der einen erstmal sein lässt. Außerhalb fordernder Alltagsräume. Bevor es Schritt für Schritt weiter gehen kann. Mit und in der Trauer. Denn jeder Mensch und jeder Verlust ist anders. Brigitte Pich Das Ökumenische Trauercafé trifft sich jeweils am 2. und 4. Mittwoch von 16 bis 18 Uhr in den Räumen der Katholischen Erwachsenenbildung, Schulstraße 26, Bayreuth

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